Der Professor und die Friedhofsvase (4/87)

 

Die Technische Hochschule RWTH in Aachen hat viele.

Wir haben in unserem Modellflugverein nur einen - aber was für einen. Kasper Spinner, Professor für englische Philologie.

Vom Modellbau und vom Fliegen so gut wir gar keine Ahnung, bemüht er sich seit vielen Jahren mit einer unglaublichen Energie und Begeisterung, modellflugzeugähnliche Gebilde zum Fliegen zu bringen.

Manchmal wurde sein Bemühen von großem Erfolg gekrönt, wenn das Modell wenigstens 3 bis 4 Meter flog!!

Anfangs noch ein eingefleischter Einzelgänger, dann aber von jedem einen Rat annehmend - und es waren von vielen nicht immer die besten Ratschläge - entwickelte er sich zu einem "duften Kumpel", den wir heute gar nicht mehr missen möchten.

Eine allerneuste Schöpfung wurde uns vor einigen Wochen vorgestellt. Beim Anblick löste es Lachsalven aus, bis uns die Tränen in den Augen standen.

Eine Friedhofsvase mit einer Pappröhre dahinter, ein Stück eingeklebter Angelrute und 2 angedeutete Brettchen in V-Form hinten angeordnet, stellten den Rumpf dar. Die Kabinenhaube war ein Teil einer Cola-Flasche aus PVC. Eine Tragfläche !?, wir wissen bis heute noch nicht woher, wurde mit dünnen Drähtchen an den Rumpf gesteckt. Die Fernsteueranlage war in den oberen Ausschnitt der Friedhofsvase gedrückt und irgendwie befestigt.

Kostenpunkt dieser philologischen Schöpfung: "0" EURO.

Dieses Ding war nicht nur originell, sondern reichte für eine gute Zirkusnummer voll aus. Und dieses Monstrum flog sogar, und einige Male sogar ganz prima, so daß wir langsam den Glauben an Aerodynamik und richtiges Fliegen verloren.

Was hatten wir uns jahrelang bemüht, in aufwendiger Bauweise und Berechnungen vorbildgetreue Modelle zu bauen, und dann "dieses“.

Aber vielleicht liegt unsere gesamte flugtechnische Zukunft in solchen Entwicklungen; wenn auch nicht immer direkt Teile vom Friedhof verwandt werden müssen.